DIABETES UND PARODONTITIS
Welcher Zusammenhang besteht zwischen PARODONTITIS und DIABETES?
Es gilt heute als wissenschaftlich erwiesen, dass zwischen Parodontitis (im Volksmund auch als Parodontose bekannt) und Diabetes eine gegenseitige Wechselwirkung besteht. So kann eine unbehandelte Parodontitis die Einstellung der Blutzuckerwerte erschweren und somit den Diabetes verschlechtern. Ein schlecht eingestellter Diabetes kann aber auch eine Parodontitis verschlimmern.
Was ist eigentlich eine PARODONTITIS?
Parodontitis ist eine entzündliche Mundkrankheit, die sehr schleichend (über Jahrzehnte) und schmerzlos zum Knochenabbau führt und somit, wenn nicht rechtzeitig diagnostiziert und behandelt, zum Zahnausfall führt. Sie beginnt damit, dass der Zahnbelag, auch Plaque genannt, am Zahnfleischrand haftet. Dieser Zahnbelag enthält Bakterien, die Giftstoffe freisetzen und zu einer Entzündung des Zahnfleisches führen.
Diese Entzündung wird als Gingivitis bezeichnet. Die Gingivitis ist immer die Vorstufe der Parodontitis. Wird der Zahnbelag (Plaque) nicht entfernt, vermehren sich die darin enthaltenen Bakterien. Die Plaquemenge wird größer, erhärtet zu Zahnstein und wandert als Masse am Zahn entlang in Richtung Zahnwurzel. Zwischen Zahn und Zahnfleisch bildet sich ein Spalt, die Zahnfleischtasche. In der Zahnfleischtasche finden die krankmachenden Bakterien optimale Lebensbedingungen, um sich massenhaft zu vermehren. Die Entzündungsreaktion im Zahnfleisch nimmt zu. Die Gingivitis schreitet langsam und schmerzlos zu einer beginnenden Parodontitis voran. In diesem Stadium setzt ein Knochenabbau ein, ebenfalls absolut schmerzlos.
Unbehandelt entwickelt sich die beginnende Parodontitis zu einer schweren Parodontitis. Die schädlichen Bakterien sind jetzt in extrem hohen Mengen in der Zahnfleischtasche vorhanden. Die Giftstoffe der Bakterien aktivieren das körpereigene Immunsystem, welches Signale an den Kieferknochen sendet, die den Abbau desselben verursachen. Der Knochenabbau schreitet stetig und absolut schmerzlos voran. Dies ist ein langsamer, chronischer Prozess und führt langfristig zur Lockerung des Zahnes. Mundgeruch tritt häufig auf, da die in Massen vorhandenen Bakterien in der Zahnfleischtasche übel riechende Gase produzieren.
Findet keine Parodontitis-Behandlung in den vorhergehenden Stadien statt, droht Zahnverlust, da der immer weiter voranschreitende Knochenabbau zur Zahnlockerung und letztendlich zu Zahnverlust führt. Deshalb gilt für Parodontitis das Gleiche wie für Diabetes: Je früher man die Krankheit erkennt, desto besser ist der Behandlungserfolg!
Einige Zahlen und Fakten zu PARODONTITIS und DIABETES
- In Deutschland gibt es ca. 20 Mio. Patienten mit einer Parodontitis, 10 Mio. davon sind schwere Fälle in einem weit fortgeschrittenen Stadium. Nur ein verschwindend geringer Anteil dieser Parodontitis-Erkrankungen wird auch tatsächlich behandelt. Das hat zur Konsequenz, dass heutzutage bei Menschen ab dem 40. Lebensjahr der Hauptgrund für Zahnverlust eine unbehandelte Parodontitis und nicht Karies ist!
- Ca. 7% der Bevölkerung in Deutschland sind Diabetiker. Man schätzt, dass auch beim Diabetes nur 2/3 erkannt und behandelt werden, mit schwerwiegenden allgemeingesundheitlichen Folgen.
- Diabetiker haben im Vergleich zu Nicht-Diabetikern ein 3-faches Risiko, an Parodontitis zu erkranken und somit ein erhöhtes Risiko Zähne zu verlieren.
- Sind die Blutzuckerwerte bei einem Diabetiker eingestellt, sinkt das Risiko an Parodontitis zu erkranken auf ein Normalniveau.
- Nicht nur Rauchen, Übergewicht, mangelnde Bewegung, Stress, und eine unausgewogene Ernährung sind Risikofaktoren bei der Entstehung eines Diabetes. Auch eine nicht diagnostizierte Parodontitis hat Einfluss (4,5-6.5%) auf die Blutzuckerwerte.
- Parodontitis steigert das Risiko für Diabetes-assoziierte Komplikationen (Herz, Nieren etc). So ist bei Diabetes + Parodontitis die Sterblichkeit bei einem Herzinfarkt um das 2,3-fache erhöht.
Was sollten Sie als Diabetiker in Bezug auf Ihre Mundgesundheit beachten?
Als Diabetiker sollten Sie den Zusammenhang zwischen Parodontitis und Diabetes kennen. Im Rahmen Ihrer regulären zahnärztlichen Kontrolle kann Ihr parodontaler Zustand (Zahnfleischzustand) innerhalb weniger Minuten mit Hilfe einer einfachen Parodontalsonde absolut schmerzfrei gemessen und so festgestellt werden, ob eine Parodontitis vorliegt. So können Sie sicherstellen, dass diese sehr langsam voran-schreitende Erkrankung, die zwar keine Schmerzen verursacht, aber doch schwerwiegende Konsequenzen wie Zahnverlust mit sich bringt, nicht übersehen und rechtzeitig erfolgreich therapiert wird. Diese Untersuchung nennt man PSI = Parodontaler Screening Index. Sie wird von den gesetzlichen Krankenkassen 1x/2 Jahre und von den Privatversicherungen 2x/ jährlich bezahlt.
Einige Warnsignale, die Sie möglicherweise selbst beobachten, die Anzeichen für eine Parodontitis sein könnten, sind:
- Zahnfleischbluten beim Zähneputzen oder auch spontan
- Das Zahnfleisch sieht aufgeschwemmt und gerötet aus, manchmal sogar lila-bläulich
- Zahnhälse liegen frei
- Eiteraustritt mit einem unangenehmen Geschmack im Mund
- Mundgeruch
- Lücken zwischen den Zähnen, die in jüngeren Jahren nicht da waren
- Lockere Zähne
Wurde bei Ihnen eine Parodontitis festgestellt, verzweifeln Sie nicht und begeben sich in parodontologische Behandlung. Heute stehen sehr gute Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung, auch für Patienten, die sich schon in einem fortgeschrittenen Stadium der Parodontitis befinden.
In unserer Parodontitis-Sprechstunde erfolgt die Behandlung der Parodontitis in 3 Phasen:
1. Hygienephase
Kontrolle der Entzündung im Mund durch Reduktion der krankheitsauslösenden Plaque
Unterweisung zur richtigen häuslichen Mundhygiene
2. Parodontitis-Therapie
Unter örtlicher Betäubung Befreiung der Wurzeloberflächen von den schädlichen Zahnbelägen (scaling und root planing)
Nur bei sehr tiefen Zahnfleischtaschen erfolgt ein lokaler, minimal-invasiver chirurgischer Eingriff, um auch dort die Reinigung der Wurzeloberflächen zu ermöglichen und eventuell knochenaufbauende Maßnahmen vorzunehmen
3. Unterstützende Parodontitis-Therapie
Zur dauerhaften Sicherung des Behandlungserfolges regelmäßige professionelle Zahnreinigungen, bei der alle Zahnbeläge entfernt werden und Messung der Zahnfleischtaschen
Wenn Sie erfahren möchten, ob Sie an Parodontitis leiden und eine kurze Untersuchung wünschen, wenden Sie sich bitte vertrauensvoll an uns.
Sprechzeiten
Montag 9:00 – 13:00 Uhr und 14:00 – 18:00 Uhr
Dienstag 9:00 – 13:00 Uhr und 14:00 – 18:00 Uhr
Mittwoch 9:00 – 13:00 Uhr und 14:00 – 17:00 Uhr
Donnerstag 14:00 – 19:00 Uhr
Freitag 9:00 – 13:00 Uhr
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